Winnetou ist in Deutschland der berühmteste Indianer!

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„Ich wette, ihr habt alle schon einmal von Winnetou, dem edlen Häuptling der Apachen gehört!?“ behauptete Dr. Carlos Börner vor 70 interessierten Kindern im Musiksaal der Stadtteilschule Lurup.  „Vielleicht habt ihr eines der Abenteuer-Bücher des Schriftstellers Karl May gelesen oder ihr habt eine der Verfilmungen dieser Bücher gesehen. Vielleicht seid ihr einmal im Theater am Bad Segeberger Kalkberg gewesen und habt dort unter freiem Himmel die Abenteuer Winnetous als Theaterstück erlebt?!“

Winnetou ist in Deutschland der berühmteste Indianer! Aber so spannend auch seine Geschichten sind, – er ist erfunden; Karl May hat ihn sich ausgedacht. Mit seinen Geschichten hat Karl May es geschafft, dass wir in Deutschland die Indianer Nordamerikas sehr positiv sehen. Und doch hat Karl May nicht alles so geschildert, wie es tatsächlich gewesen ist. Er hat sich redlich bemüht, aber manches konnte er damals vor über hundert Jahren, als er seine Bücher schrieb, noch gar nicht wissen.

Ein großes Missverständnis ist schon die Bezeichnung, die wir den Ureinwohnern Nordamerikas meistens geben: Indianer! Als die Europäer erstmals nach Amerika kamen, glaubten sie, einen Seeweg nach Indien gefunden zu haben und nannten deswegen die Menschen, die ihnen dort begegneten „Indianer!“

Doch die „Indianer“ bestanden aus vielen unterschiedlichen Völkern, sprachen unterschiedliche Sprachen und hatten unterschiedliche Sitten und Gebräuche. Einige indianische Völker waren Bauern, andere Fischer, wieder andere Jäger und Sammler. Einige Stämme waren friedlich und kämpften ungern, andere waren ausgesprochen kriegerisch. Die meisten Stämme führten unentwegt gegeneinander Krieg. Nicht alles war gut in Nordamerika bevor die Weißen kamen.

Einige Stämme lebten in den großen Wäldern des Nordens, andere auf den unendlichen Weiten der Prärien und viele auch in den kargen Wüstengegenden des Südens. Doch ganz gleich wo ein indianisches Volk auch lebte, alle wurden sie früher oder später von den europäischen Einwanderern verdrängt oder ausgerottet. Oft erinnern nur noch indianische Namen oder Worte an die verschwundenen Stämme: wie „Mississippi“ (in der Sprache der Ojibwas: „großer Fluss“), „Missouri“, „Miami“, „Wyoming“, „Kentucky“ oder „Tennessee“.

Übrigens starben die meisten „Indianer“ nicht von der Hand der weißen Einwanderer, sondern durch deren Krankheiten. Grippe, Typhus, Cholera, Pocken oder Masern  waren für die Ureinwohner ganz neue Krankheiten, gegen die sie keinerlei Abwehrkräfte hatten. Viele verhungerten auch, weil die Tiere, von denen sie sich normalerweise ernährten immer weniger wurden.

Die indianischen Völker hatten keine Schrift. Deshalb spielte die gesprochene Sprache bei ihnen eine wichtige Rolle. Alte Familiengeschichten, Märchen und Traditionen wurden weitergegeben, indem man sie sich abends am Lagerfeuer immer wieder erzählte. So kommt es, dass viele Indianer eine bildreiche, fantasievolle Sprache besaßen. Ich glaube, das könnt ihr aus den drei Reden berühmter Indianerhäuptlinge heraushören, die wir heute für euch ausgesucht haben.

Aber jetzt hören wir zunächst eine Filmmusik und zwar das Winnetou Thema.

Alexander Raytchev (links) und Dr. Carlos Boerner (rechts)

 

Indianerhäuptling Red Cloud, Foto: fineartamerica.com

Das ist Red Cloud (1822-1909) er war ein berühmter Häuptling der Oglala-Tetons, die zum mächtigen Volk der Sioux gehören. In der Nacht, als Red Cloud geboren wurde, zogen rotflammende Sternschnuppen über den Himmel der Prairie. Daher gaben ihm seine Eltern den Namen „Mahpia Luta“. In der Sprache der Dakota bedeutet das „Rote Wolke“ und auf Englisch „Red Cloud“.

Die Sioux selbst nennen sich Dakota. Ihre Heimat waren die Prärien, die riesigen Grasebenen Nord- und Süd-Dakotas. Sie waren exzellente Reiter, denn sie lebten von der Büffeljagd, die nur auf schnellen Mustangs möglich war. Die Dakota ernährten sich vom Fleisch der Büffel, fertigten aus ihren Knochen Waffen und Werkzeuge und bedeckten ihre Tipis, ihre Zelte, mit den großen Häuten der Tiere. Als weiße Jäger begannen, die Büffel wegen ihrer Pelze zu Tausenden abzuschießen, zerstörten sie damit die Lebensgrundlage der Indianer. Die Dakota setzten sich zur Wehr; angeführt wurden sie dabei von Red Cloud. Zwei Jahre lang bekämpften er und seine Krieger die weißen Eindringlinge – und besiegten sie! Für zehn Jahre konnten Red Cloud und seine Oglala-Tetons ihre Heimat bewahren, doch dann mussten auch sie weichen. Mehr über den Indianderhäuptling Red Cloud finden Sie hier.

Von Alexander hören wir nun wieder Musik und zwar den 2. Satz aus der Neuen Welt von Antonin Dvorak.

 

 

Hier sehen wir den Häuptling Seattle

Habt ihr schon einmal von der amerikanischen Stadt Seattle gehört? fragt Hannelore Lay. Sie ist nach einem Mann benannt, der ein großer Anführer eines sehr kleinen Stammes war.

Seattle (1786-1866) war ein Häuptling der Suquamish, die auch heute noch im äußersten Nordwesten der USA, im Staat Washington leben. Der indianische Name des Häuptlings  lautete Si’a si’ahl; die Weißen jedoch nannten ihn Seattle. Die Suquamish lebten hauptsächlich vom Fischfang. Lachs war ihre wichtigste Lebensgrundlage.

In das Land der Suquamish drangen immer mehr weiße Siedler ein und zwangen die Indianer in Reservate umzuziehen, deren Größe nur einen Bruchteil ihres ursprünglichen Territoriums betrug. Auch aus ihren reichen Fischgründen wurden die Suquamish vertrieben.  Als Häuptling Seattle erkannte, dass die Heimat seines Volkes verloren gehen würde, hielt er die folgende Rede:

http://www.humanistische-aktion.de/seattle.htm

Die Musik, die Alexander uns dazu spielt ist eine eigene Komposition von ihm „ Der Reisende“ – das passt gut!

Indianerhäuptling Red Jacket, Foto: wikipedia.org

Das ist der dritte Indianerhäuptling, den ihr heute kennenlernen sollt: Red Jacket

Hoch im Norden der USA, unweit der Grenze zu Kanada befand sich einst das Land der Irokesen. Die Irokesen waren aber kein Stamm, sondern ein Bündnis von fünf verschiedenen Stämmen (Cayuga, Mohawk, Oneida, Onondaga, Seneca).  Bei ihnen war eine eigentümliche Frisur verbreitet, bei der die beiden Seiten des Kopfes kahl rasiert wurden und in der Mitte ein hochgebürsteter Kamm stehen blieb: ihr habt ihn vielleicht schon einmal gesehen, es ist der sogenannte Irokesenschnitt. Während die meisten Kinder in Europa die Namen ihrer Väter bekommen, erhielten die Mädchen und Jungen der Irokesen ihre Namen von ihren Müttern. Die Frauen waren das Oberhaupt der Familie. Das Eigentum der Familien wurde von Frauen verwaltet und an Töchter vererbt. Frauen waren es auch, die den männlichen Häuptling eines Dorfes wählten.

Einer dieser von Frauen gewählten Häuptlinge war Red Jacket (um 1760-1830) und sein Stamm, die Seneca, waren einer der fünf Stämme des Irokesenbundes. Red Jacket war ein hervorragender Redner, deshalb wurde er von seinen Leuten „Sagoyewatha“ genannt, d.h. „Der die Leute durch seine Rede wachhält“. Den weißen Siedlern war das viel zu kompliziert; sie nannten ihn stattdessen „Red Jacket“, denn er trug oft eine leuchtend-rote, englische Uniformjacke.  Im Jahr 1805 wollte der protestantische Prediger  Jacob Cram die Seneca zum Christentum bekehren. Was ihr nun hört war „Red Jackets“ Antwort.

Mit der Musik von Gershwin „I Go Plenty“ beschließen wir die „Märchenstunde“ und am Ende können fast alle „Massachusetts“ sagen!

 

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